Der Permakultur-Garten der Villa Oiva im Sommer
Journal · Aus dem Garten

Der Garten kocht mit

Villa Oiva, Brandenburg · Lesezeit 4 Minuten

Wer bei uns am Tisch sitzt, isst keinen Einkaufszettel. Er isst eine Jahreszeit. Was in der Villa Oiva auf den Teller kommt, hat in den meisten Fällen dreißig Meter Anreise hinter sich: vom Beet über die offene Küche auf die lange Tafel. Das ist keine Marketing-Formel, sondern die Konsequenz einer Entscheidung, die wir mit dem Haus getroffen haben.

Ein Garten, der nicht gehorchen muss

Als wir das Grundstück übernahmen, war der Garten das, was Makler „Potenzial" nennen: eine Wiese mit Vergangenheit. Wir hätten Rollrasen legen können, Buchsbaumkugeln, eine Bewässerungsanlage mit Zeitschaltuhr. Stattdessen haben wir uns für Permakultur entschieden, also für ein System, das nicht gegen den Standort arbeitet, sondern mit ihm.

Permakultur heißt bei uns konkret: Mischkultur statt Monokultur. Bohnen klettern neben Mais, Kapuzinerkresse hält Läuse von den Tomaten fern, Ringelblumen stehen zwischen den Salaten, weil sie den Boden gesund halten und nebenbei die Teller schmücken. Die Wildblumenwiese am Rand ist keine Faulheit, sondern Absicht: Sie ernährt die Bestäuber, die wir für die Obstbäume brauchen. Alles hat mindestens zwei Aufgaben. Nichts steht nur herum, weil es hübsch ist. Dass es trotzdem hübsch ist, nehmen wir dankend mit.

Blühende Beete im Morgenlicht Himbeeren am Strauch Lupine zwischen Kamille

Das Menü schreibt der Juli

Für unsere Feste bedeutet das eine ungewohnte Reihenfolge: Erst schauen wir in den Garten, dann schreiben wir das Menü. Nicht umgekehrt. Wer im Juli bei uns heiratet, bekommt Himbeeren, die am Morgen noch am Strauch hingen, Zucchiniblüten, jungen Knoblauch, Kräuter in einer Dichte, die kein Großmarkt liefert. Wer im September feiert, bekommt Kürbis, Pflaumen, die letzten Tomaten, die süßesten des Jahres.

Das klingt romantisch, ist aber vor allem ehrlich. Ein Menü, das dem Boden folgt, kann nicht alles versprechen. Es kann keine Erdbeeren im Oktober. Dafür schmeckt alles, was es verspricht, nach dem Ort, an dem gefeiert wird. Unsere Gäste merken den Unterschied meist beim zweiten Gang, wenn jemand fragt, warum der Salat so schmeckt, als hätte er eine Meinung.

Geduld als Zutat

Permakultur ist kein schneller Erfolg. Der Boden brauchte zwei Jahre, bis er uns vertraut hat. Die Obstbäume tragen erst seit Kurzem so, dass es für Kompott und Kuchen reicht. Ein Hochbeet sieht im ersten Jahr aus wie ein Versprechen und im dritten wie ein Beweis. Diese Langsamkeit passt zum Haus: Eine Villa von 1895 hat es auch nie eilig gehabt.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum der Garten zu jedem Fest gehört. Er erinnert daran, dass die guten Dinge, Feste eingeschlossen, nicht produziert werden, sondern wachsen. Wir bereiten den Boden, wir gießen, wir warten. Den Rest macht der Sommer.

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